Die Figuren

Vier Frauen, ein Castello – und alle vier auf der Flucht vor sich selbst

Elizabeth von Arnims Figuren sind keine Typen, sondern Frauen kurz vor einer Wende. Auf dieser Seite finden Sie die vertieften Steckbriefe – mit Motivation und Besetzungshinweisen für Ihre Produktion.

Vier Frauen in Kleidern der 1920er Jahre in einem sonnigen italienischen Villengarten

Die Bühnenfassung lebt von ihren Figuren – vier Frauen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichem Alter und völlig unterschiedlichem Gepäck, die einander im April 1922 an der Riviera begegnen. Aus vier Einzelnen wird ein Ensemble, aus einem Mietvertrag wird eine Verwandtschaft.

Für Regie und Besetzung gilt: Keine der vier Frauen ist eine Nebenrolle. Jede trägt eine eigene Wandlung, und die Komik wie die Poesie des Stücks entstehen aus dem Zusammenspiel ihrer Gegensätze.

Sie hatten nichts gemein außer der Anzeige – und am Ende war das mehr als alles andere.
— Nachwort zur Bühnenfassung

Die vier Frauen von San Salvatore

Für Regie und Besetzung gilt: Keine der vier Frauen ist eine Nebenrolle. Jede trägt eine eigene Wandlung, und die Komik wie die Poesie des Stücks entstehen aus dem Zusammenspiel ihrer Gegensätze.

Lotty Wilkins

Die SehnendeEnde 30

Lotty ist die heimliche Hauptfigur des Stücks. Eine stille Hausfrau aus einem Londoner Vorort, deren Ehe in Höflichkeit erstarrt ist und deren Leben aus kleinen Aufgaben besteht. Als sie die Anzeige in der Times liest, geschieht etwas Seltenes: Sie handelt. Sie nimmt ihren Notgroschen von 90 Pfund, sie überwindet ihre Scheu, sie bittet die ihr unbekannte Mrs. Arbuthnot um Partnerschaft – und sie bleibt trotz aller Widerstände dabei, obwohl jeder vernünftige Grund dagegen spricht. In San Salvatore verwandelt sie sich von der Bittstellerin in die heimliche Seele des Castello: ihre Freude steckt an, ihre Andacht vor der Schönheit ist eine Art Gebet ohne Kirche.

Was sie will

Lotty will nicht Urlaub machen – sie will beweisen, dass sie existiert. Hinter dem Inserat steht die Frage, ob ein Leben noch einmal anfangen darf, wenn man es längst für entschieden hielt. Ihre Motivation ist zugleich die Tickuhr des Stücks: Immer wenn die Handlung stockt, ist es Lotty, die sie weiterschiebt.

Besetzungshinweis

Die Schauspielerin muss zwischen Unscheinbarkeit und Strahlkraft wechseln können: Lotty ist zu Beginn die unauffälligste Person auf der Bühne und am Ende die strahlendste. Spielalter flexibel; wichtig ist ein Organ für stille Komik und eine Stimme, die sich von der Flüsterstimme des ersten Bildes zur entfesselten Freude des dritten Bildes steigert.

„Dann wäre das der erste April unseres Lebens."

Rose Arbuthnot

Die FrommeMitte 40

Rose ist tätig in einem Kirchenzirkel für die Armen, eifrig, pflichttreu, unentbehrlich – und innerlich auf der Flucht. Ihre Ehe mit Frederick ist zur Kälte erstarrt, seit er unter dem Pseudonym Ferdinand Arundel die sensationellen Memoiren royaler Mätressen veröffentlicht: für Rose eine öffentliche Demütigung, für ihn der Ausdruck einer Verlorenheit, die keiner von beiden ausspricht. Rose hat Träume aufgeschoben, bis sie austrockneten – Waisenhaus in Florenz als Gegenwelt, Ordensgelübde als Ausweg. Das Castello konfrontiert sie mit der Frage, ob Frömmigkeit ohne Liebe noch Frommheit ist.

Was sie will

Rose will gut sein – und begreift im April, dass sie vor allem brav war. Ihre Reise ist die der Frau, die ihre eigene Gefühlswelt als Sünde abgemeldet hatte und im warmen Licht der Riviera wieder anlegen muss. Der wiedergefundene Blick Fredericks am Stückende ist ihr Lohn, aber nie ihr Ziel.

Besetzungshinweis

Benötigt wird eine Darstellerin mit Wärme unter der Disziplin: Roses Strenge muss sympathisch bleiben, sonst kippt die Figur zur Karikatur. Gute Option für eine Schauspielerin mit Komödienerfahrung, die Anmut und Schrulligkeit nebeneinander tragen kann; im Finale auch ein Liebesplot ohne Ironie.

„Und wenn wir es einmal nicht weglegen?"

Lady Caroline Dester

Die SchöneFrühe 30

Lady Caroline ist schön – und an ihrer eigenen Schönheit langfristig erkrankt. Bewundert seit der Jugend, verlassen von einem Mann, der sie an Verehrer verlor, reist sie nach San Salvatore, um niemandem mehr gefallen zu müssen. Sie ist witzig, gelangweilt und zutiefst einsam; sie hasst es, wie alle Welt sie ansieht, und erwartet doch nichts anderes. Im Castello, zwischen Glyzinien und Mrs. Fishers Memoiren, geschieht das Ungeheure: Mr. Briggs sieht sie – nicht ihre Schönheit, sie selbst. Lady Carolines Heldentat des Stücks ist die Verweigerung: Sie nutzt ihre Macht erstmals nicht, sondern legt sie ab.

Was sie will

Lady Caroline will unsichtbar sein – der umgekehrte Weg zu dem, was die anderen suchen. Ihre Motivation ist eine Flucht nach innen: weg vom Spiegel, hin zur Person, die dahinter aufgehört hat zu existieren. Ihre Szenen tragen die eleganteste, ironischste Textebene des Stücks.

Besetzungshinweis

Eine Darstellerin, die Eleganz mit Selbstironie verbindet und unter dem Witz Einsamkeit durchscheinen lässt. Großes Augen- und Reaktionsspiel erforderlich; die Rolle lebt von Pausen. Ideal als Gegenpart zu Mrs. Fisher – der Schönheit die Erinnerung, der Ironie die Ehrfurcht.

„Ich bin zu vielen Dingen zu schön. Zu denen, die zählen, gerade richtig."

Mrs. Fisher

Die ErinnerndeÜber 60

Mrs. Fisher ist die lebendige Erinnerung an eine versunkene Welt: als Kind Gast im Haus großer viktorianischer Persönlichkeiten, hat sie sich ihr ganzes Leben in dieser Vergangenheit eingerichtet. Sie kommt nach San Salvatore, um „die Freundschaften, die den Glauben an eine bessere Welt bekräftigten“ zu besuchen – und um sich nicht mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Ihre Gegenwartsflucht ist die der Selbstsicherheit: Sie entscheidet im Castello, wer zum Pantheon der großen Geister gehört und wer nicht. Erst als sie auf dem Hügel über dem Meer nachdenkt, beginnt sie zu begreifen, dass man sich in Vergangenheit auch verstecken kann.

Was sie will

Mrs. Fisher will nicht leben, sondern erinnern – Ordnung statt Risiko, Museum statt Zukunft. Ihre Entwicklung ist die leiseste des Stücks und gerade deshalb die bewegendste: aus der Urteilenden wird eine, die erfährt.

Besetzungshinweis

Große Charakterrolle für eine erfahrene Darstellerin: Statur und Präsenz, die das Castello sofort ordnen, und die Bereitschaft, dieses Orden am Ende fallenzulassen. Komödiantische Härte im Zusammenspiel mit Lady Caroline nötig – die Kontrastpaarung trägt den zweiten Akt.

„Ich habe alle großen Menschen gekannt. Einer hat mir zurückgeschaut."

Und die Männer, die ihnen folgen

Drei Männerrollen brechen die Frauenwelt von San Salvatore auf – jede im Duett mit einer der vier Frauen. Alle drei sind Charakter- und Komödiantenrollen zugleich: Sie versagen auf die charmanteste Weise, in der Ehe, im Beruf, in der Selbstkenntnis, und finden am Meer zu einer neuen Aufmerksamkeit zurück.

Mellersh Wilkins

Anwalt – Lottys Mann

Mellersh hat seine Ehe als abgeschlossene Sache betrachtet und seine Frau zur „grauen Maus“ erklärt. In San Salvatore geschieht ihm das Undenkbare: Er sieht Lotty zum ersten Mal wirklich – und wird rührend, unbeholfen und beinahe genial als Verehrer neu.

Besetzungshinweis

Rollentyp: der sympathische Spießer mit Wachstumspotenzial. Komik aus Umständlichkeit, Wärme im letzten Akt. Spielalter 40–55.

Frederick Arbuthnot

Autor – Roses Mann

Unter dem Pseudonym Ferdinand Arundel schreibt Frederick sensationslüsterne Memoiren royaler Mätressen – ein Geschäft, das ihn nährt und schämt. Er trifft in San Salvatore auf Lady Caroline, seine frühere Liebe, und muss sich mit dem Mann auseinandersetzen, der seine eigene Legende geschrieben hat.

Besetzungshinweis

Rollentyp: der elegante Zyniker mit weichem Kern. Braucht Charme und Verletzlichkeit in einem Atemzug; duettfähig mit Lady Carolines Darstellerin. Spielalter 40–50.

Mr. Briggs

Castello-Besitzer

Mr. Briggs, der junge Besitzer von San Salvatore, vermietet ein Haus und findet eine Lebenspartnerin. Er ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein, humorvoll, ohne Überlegenheit – der einzige Mann im Stück, der von Anfang an sieht, statt zu bewerten.

Besetzungshinweis

Rollentyp: der Lichtblick. Wichtig ist der ehrliche, unpathetische Blick, der Lady Carolines Verwandlung möglich macht. Spielalter 30–45.

Besetzung & Rechte

Die vollständige Rollenverteilung, Doppelbesetzungs-Optionen und die aktuelle Fassung des Bühnenmanuskripts erhalten Sie auf Anfrage. Wir beraten Sie gern zur passenden Besetzung für Ihre Bühne.

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