Die Annonce

Ein Inserat in der Times, die das Leben von vier Frauen neu fokussiert

Das Inserat, das alles ins Rollen bringt: seine Geschichte, seine Wirkung – und warum ein einziger Satz die Dramaturgie des ganzen Stücks in Gang setzt.

Elegante Frau im Kostüm der 1920er Jahre liest in einem stilvollen viktorianischen Interieur
The Times, Februar 1922

Kleinanzeigen · Vermietungen

Wer hier verzeiht, dass man eine Woche mit einer anderen verbringt, ist geeignet – kleines mittelalterliches Castello an der italienischen Küste zu vermieten, April, Glyzinien und Sonnenschein inklusive.

Vier Frauen lasen dieses Inserat in denselben Tagen im Februar – und keine von ihnen ahnte, dass die anderen ebenfalls darauf antworten würden.

Der Auslöser

Kaum ein Stoff beginnt mit einem kleineren Satz – und kaum ein Satz trägt ein ganzes Stück mehr. Die Annonce in der Times ist der einzige Ort, an dem sich die vier Frauen begegnen, bevor ihre gemeinsame Geschichte beginnt: als Zeichen auf Papier, das jede für sich liest, jede für sich beantwortet und jede für sich als Erlaubnis versteht, ihrem eigenen Leben für immer zu widersprechen.

Für die Bühne ist das Inserat mehr als eine Fußnote der Handlung: Es ist der Beweis, dass vier voneinander unabhängige Leben denselben Weg gehen können, ohne sich je verabredet zu haben. Die Anzeige weiß nichts von den Frauen, die auf sie antworten – und gerade deshalb sagt sie die Wahrheit über sie alle.

Die Anzeige verspricht einen Ausblick. Doch sie bietet mehr und gibt allen das Leben zurück.
— Nachwort zur Bühnenfassung

Vier Antworten auf denselben Satz

Jede der vier Frauen liest das Inserat mit dem Gepäck ihrer eigenen Geschichte – und jede versteht etwas anderes darunter. Diese vier Antworten sind das eigentliche Eröffnungsportfolio des Stücks: Sie zeigen, wer die Frauen sind, bevor das Castello sie verändert.

Lotty WilkinsDie Sehnende

Für Lotty ist die Anzeige der Anstoß, den sie nie zu fassen bekam: Sie handelt gegen ihre eigene Erzählung über sich selbst und nimmt ihr letztes Geld. Das Inserat beweist ihr, dass noch ein zweites Leben in ihrem Leben ist.

Rose ArbuthnotDie Fromme

Für Rose ist das Inserat eine Versuchung mit theologischem Unterton: Sie ringt mit ihrer Pflicht, bevor sie zusagt – und entdeckt, dass die Sehnsucht nach dem Castello die ehrlichere Stimme ist.

Lady Caroline DesterDie Schöne

Für Lady Caroline ist die Anzeige eine Einladung zur Unsichtbarkeit: Sie sucht niemanden mehr zu gefallen und hofft auf einen Ort, an dem ihre Schönheit endlich losgelassen ist.

Mrs. FisherDie Erinnernde

Für Mrs. Fisher ist das Inserat eine Rückfahrkarte in die Vergangenheit: Sie reist in Erwartung der Freunde ihrer Jugend – und findet stattdessen eine Gegenwart, die sie nicht erwartet hat.

Ein Auslöser ohne Stand und Vorgeschichte

Was die Annonce so wirkungsvoll macht, ist ihr demokratischer Gestus: Sie kennt keine Herkunft, keinen Stand, keine Vorgeschichte. Wer antwortet, zählt nicht als Titel, Ehefrau oder Verehrerin – wer antwortet, zählt als jemand, der Glyzinien und Sonnenschein braucht. Aus vier sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten schneidet das Inserat dieselbe Sehnsucht heraus und setzt sie nebeneinander an einen Tisch.

Genau daraus entsteht die Dramaturgie des Stücks: Die vier Frauen beginnen als Fremde, die nur ein Inserat teilen – und enden als ein Ensemble, das mehr teilt als je eine Bekanntschaft zuvor. Für die Besetzung bedeutet das: Alle vier Rollen sind gleichwertig angelegt, die Unterschiede liegen nicht in der Bedeutung, sondern im Tempo, im Witz und in der Liebestiefe jeder einzelnen Wandlung.

Manuskript & Rechte

Wir senden Ihnen gern die vollständige Bühnenfassung zur Lesung sowie den Aufführungsrechte-Antrag. Nennen Sie uns Ihre Spielstätte, Ihren Zeitraum und Ihre Ensemblegröße.

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